Ortsverein Bonn-Holzlar-Hoholz
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Die große Gereiztheit – zivilisiert streiten

Der kommunikative Klimawandel ist in vollem Gange.

Jeder von uns verbreitet in sekundenschnelle News und niemand kann ad hoc sicher sein, dass diese Nachrichten der Realität entsprechen. “Das ist die größte Revolution seit der Erfindung des Buchdrucks,” meint der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen.

 

Der Streit und die Auseinandersetzung sind das zentrale Element der Demokratie. Aber Streit um des Streits willen gehört nicht dazu. Festzustellen ist, dass die Konsensgesellschaft am Ende ihrer Existenz angekommen ist.

 

Die traditionellen Leitmedien haben an Bedeutung verloren und kämpfen um ihr Überleben. Als Folge dieser Entwicklung und als negative Konsequenz der Digitalisierung nehmen Beleidigungen, Hass und hohle Phrasen ihren Platz ein. Deshalb plädiert die Philosophin Marie-Luisa Frick von der Universität Innsbruck für eine zivilisierte Streitkultur.

 

Wichtig ist für Bernhard Pörksen und Marie-Luisa Frick die Medienkompetenz der kommenden Generationen. Und für Pörksen ist es ein Anliegen, die “Idioten” der kollektiven Erregung zu identifizieren und sie zu demaskieren.

 

Die mediale Zeitenwende ist in einer großen Wucht über uns gekommen. Ihre negativen Auswirkungen beeinflussen die Politik und die Parlamente. Präsidenten, Diktatoren und Despoten nutzen sie für ihre Zwecke. Der Ausspruch “Gut behauptet ist halb gewonnen” zeigt sehr deutlich, dass die Demokratie sowie unser Zusammenleben vor epochalen Herausforderungen stehen.

Vor allem Schulen und Universitäten sind gefordert, den jungen Menschen Medienkompetenz zu vermitteln. Damit sie zwischen Fake-News und Wahrheit zu unterscheiden wissen und vor allem die Quellen der Nachrichten hinterfragen. Das gilt gleichermaßen für Journalist*inn*en.
 

Nicht zu unterschätzen ist die rein private Aufstellung von Facebook, Twitter & Co., die die äußere Medienlandschaft zweifellos demokratisiert hat, indem sie fast allen Menschen, egal wo und wie sie leben, den Zugang zur globalen Kommunikation ermöglicht hat.

Die Mediengiganten sind allerdings keineswegs demokratisch. Ihr Tun ist rein kommerziell ausgerichtet und die Algorithmen durchforsten im Hintergrund unsere gesamte Persönlichkeit.

Sie wissen oftmals mehr über uns als wir selbst. Wohin diese Entwicklung reicht, zeigen uns die jüngsten Datenskandale.

 

Deshalb plädiere ich dafür, die Kontrolle über unsere Kommunikation nicht aus der Hand zu geben. Die Politik muss sich ernsthaft überlegen, nichtkommerzielle soziale Medien einzurichten, die die beschriebenen Kollateralschäden des Netzzeitalters verhindern. 

 

Rainer Bohnet, 10.06.2018

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